14.07.2012, die Redaktion

Alter und Leistungsfähigkeit – die ZEW-Studie

„Alte sind zu nichts mehr zu gebrauchen.“ Von wegen! Sogar eine Studie widerlegt dieses Vorurteil. Wo viel Licht ist, ist bekanntlich auch viel Schatten: So benutzt die Politik die ZEW-Studie um die Erhöhung des Rentenalters zu rechtfertigen.


Seniorin auf Jobsuche

Seniorin auf Jobsuche // © Harald Soehngen - Fotolia.com


 

Die ZEW-Studie „Age and Productivity - Sector Differences?, ZEW-Discussion Paper 11-058, November 2011“ erstreckt sich über einen Untersuchungszeitraum von acht Jahren. Innerhalb dieser Zeit untersuchten die Ökonomen Thomas Zwick und Christian Göbel die Auswirkungen der Altersstruktur auf die innerbetriebliche Leistungsfähigkeit. Hierfür analysierten sie die Daten von über 8.500 Unternehmen der Bundesrepublik und über sieben Millionen dort angestellten Arbeitnehmer_innen. Dabei fügten sie Befunde der Betriebe (Gewinn, Umsatz, Liquidität etc) mit Personendaten der Angestellten (Alter, Beruf, Qualifikation, Lohnstufe etc) zusammen. Anschließend ermittelten sie durch diverse Berechnungsmethoden die Produktivität der Untersuchungspersonen unterschiedlicher Alterskategorien innerhalb der Produktion sowie des Dienstleistungssektors.

Die Ausgangsthese von Zwick und Göbel war: ein Leistungsabfall innerhalb der Produktion und eine Steigerung der Leistung innerhalb der Dienstleistung in Korrelation mit zunehmendem Alter. Sie waren der Ansicht, dass körperliche Arbeit im höheren Lebensalter immer schwieriger würde und andere Fähigkeiten, wie Qualifizierung, Erfahrung, Kommunikation etc, ansteigen würden.


ZEW-Studie kommt zu unerwartetem Ergebnis


Entgegen den Erwartungen der beiden Forscher ergaben die Untersuchungen keine Differenzen, was die Leistung älterer Menschen im industriellen Bereich und im Dienstleistungssektor betrifft. Auch betagte Arbeitnehmer_innen konnten richtig gut zupacken. Damit haben Zwick und Göbel unbeabsichtigt ein Vorurteil entlarvt. Folglich ist es nicht von Vorteil, nur junge Bewerber_innen zuzulassen. Die Altersdiskriminierung auf dem Arbeitsmarkt ist nicht nur unangebracht, sondern sogar kontraproduktiv für die entsprechenden Unternehmen.





Instrumentalisierung des Studienergebnisses für die Erhöhung des Rentenalters


Für die Politik, die auf Teufel komm raus die marode Rentenkasse zumindest kurzfristig – nach unserer Regierungsperiode die Stintflut – füllen will, ist die ZEW-Studie ein gefundenes Fressen. Nun steht es doch schwarz auf weiß, dass ältere Menschen noch richtig ranklotzen können. Dann sollen sie das gefälligst auch tun und am besten gleich danach tot umfallen (damit sie keine Rente mehr beziehen).
Diese Haltung in Kombination mit der noch vorherrschenden Diskriminierung älterer Arbeitnehmer_innen wird längerfristig zu einem Anstieg der Altersarmut führen. Die Rente schrumpft schließlich, wenn man vorzeitig aus dem Arbeitsleben ausscheidet. Und genau das wird nun vermehrt der Fall sein: Wer will denn schon Personen jenseits der 60 einstellen? Zudem kann die Tätigkeit – je nach Arbeitsumfeld, Anforderungen, Konditionen etc. – in vielen Fällen zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen. Für Betroffene ist es umso schwieriger, bis zum regulären Rentenalter durchzuhalten. Das wiederum spiegelt sich anschließend in der Höhe der Rente wider, die ohnehin aufgrund des veralteten, überholungsbedürftigen Rentensystems alles andere als üppig ausfällt. Die verarmten Rentner_innen müssen auf Staatsleistungen zurückgreifen. Also ist die Erhöhung des Rentenalters wieder so eine Reform, die den Zusammenbruch des Sozialsystems nur kurzzeitig verschiebt, dafür aber seine Wahrscheinlichkeit erhöht.


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